Schärfe und Schärfentiefe

Schärfe und Schärfentiefe

Schärfe und Schärfentiefe ist nicht das gleiche. Aber beides ist in der Naturfotografie von großer Bedeutung für die Bildaussage und die Bildqualität.

Es ist vielleicht das Kriterium für ein gelungenes Naturfoto, dass das Motiv an der vom Fotografen gewollten Stelle scharf erscheint - und zwar wirklich scharf. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass es zwei Meilensteine gibt, die ein aufstrebender Naturfotograf hinter sich lassen muss. Der erste Meilenstein ist (erstaunlicherweise) der, dass er erst einmal das Motiv selbst finden muss. Der zweite Meilenstein ist der, dass ein Bild an der Stelle scharf ist, an der es das Motiv verlangt (zum Beispiel in den Augen).

Bevor Sie selbst nicht wissen, wie und an welchem Punkt das Motiv Schärfe benötigt, nehmen Sie sich bitte nicht die Bilder zum Vorbild, die "wie von Kinderhand" fotografiert aussehen. Denn die immer wieder in Naturfoto-Wettbewerben auftauchenden, völlig unscharfen und verwackelten Bilder, sind (in der Regel) gewollte Darstellungen von Bewegungen oder dienen dem Fotografen dazu, einen besonderen künstlerischen Touch in seine Bildaussage zu integrieren. Diese Bilder müssen vorab lange geplant werden und sind keine klassischen Naturfotos.

Vor Jahren sah ich auf einem Naturfotofestival einen Vortrag, der von den Veranstaltern als der innovativste Vortrag seit Jahren angekündigt wurde. Darin zeigte ein nordeuropäischer Naturfotograf unscharfe, verwackelte und unterbelichtete Bilder. Ich habe weder davor noch danach bei einem Vortrag jemals wieder so laute und so viele Unmutsäußerungen erlebt wie an diesem Abend. Für mich persönlich gilt, dass ich dem Betrachter meiner Bilder nicht zumuten möchte, darüber nachdenken zu müssen, ob er an einen Augenproblem leidet. Mit scharfen Bildern liegen Sie dagegen immer richtig.

Schärfentiefe

Im Gegensatz zur Schärfe ist die Schärfentiefe ein Bereich, in dem Teile des Motivs nicht zwangsläufig scharf abgebildet sein müssen, sondern vielmehr unscharf, aber erkennbar bleiben.

Die Schärfentiefe ist also anders als die Schärfe zu beurteilen, da sie mit der Ausdehnung der noch sichtbaren Bereiche in einem Bild einhergeht. Bei einem Motiv kann immer nur eine Ebene optimal scharf abgebildet werden. Alles, was sich vor oder hinter dieser Ebene befindet, wird je nach Abstand mehr oder weniger unscharf abgebildet.

Die Ausdehnung der Schärfe, also die Schärfentiefe, wird mit einem mechanischen Bauteil im Objektiv geregelt, der Blende. Den Zusammenhang zwischen Blende und Schärfentiefe erläutere ich Ihnen ausführlich im nachfolgenden Abschnitt   Die Blende verstehen. Nach ein paar Testfotos werden Sie schnell erkennen, worin der Unterschied zwischen einer Blende f4 und einer Blende f16 liegt, und . das ist für die Naturfotografie besonders wichtig - wie sich diese Fototechnik auf Ihr Motiv und damit auf den Bildbetrachter auswirkt.

Hinweis

Die Schärfentiefe wird oft auch als "Tiefenschärfe" bezeichnet. Dies ist insofern nicht richtig, da es sich um die Schärfeausdehnung bei einer eingestellten Entfernung zum Motiv handelt und nicht darum, ob die "Tiefe" scharf ist. Die Schärfentiefe gibt an, welcher Bereich bei einem Motiv mit akzeptabler Unschärfe abgebildet wird. Dieser Wert (also der Bereich, der noch scharf abgebildet wird) lässt sich berechnen, steht aber auch für einige ausgewählte Bereiche in der Bedienungsanleitung eines jeden Objektivs.