Die Blende verstehen

Die Blende verstehen

Die Funktion der Blende zu verstehen, um sie dann richtig einzusetzen, ist ein wichtiger Schritt hin zu einem wirklich gelungenen Foto. Nehmen Sie sich die Zeit und probieren Sie die Wirkung einer offenen oder geschlossenen Blende aus.

Jedes Objektiv, egal welcher Bauart, verfügt über eine Blende. Mit der Blende können Sie ein Loch in verschiedenen Größen erzeugen und so bestimmen, ob eine geringe Menge Licht (bei einer kleinen Blendenöffnung) oder eine große Menge Licht (bei einer großen Blendenöffnung) durch das Objektiv auf den Sensor trifft. Unsere Augen sind nach genau diesem Prinzip aufgebaut.

Schon seit vielen Jahrhunderten ist bekannt, dass ein kleines Loch in einem schwarzen Kasten auf der gegenüberliegenden Seite desselben ein Abbild der Szene zeigt, die sich vor dem Loch befindet. Dieser Lochkasten wird Camera obscura oder einfach Lochkamera genannt. Je kleiner das Loch ist, desto schärfer wird das Motiv abgebildet, je größer das Loch ist, desto undeutlicher, aber auch heller ist das Motiv zu erkennen.

Blende, Blendenzahl, Blendenwert

Es mag etwas verwirrend sein, wenn einmal von einer Blende, ein anderes Mal von einer Blendenzahl und wieder ein anders Mal von Blendenwert gesprochen wird. Lassen Sie mich daher kurz auf die scheinbare Begriffsverwirrung eingehen.

Die Blendenzahl (auch Blendenwert, fBlende, fZahl oder einfach nur f genannt) ist die Zahl, die Sie über die Kamera an Ihrem Objektiv einstellen können. Also zum Beispiel 5,6 oder 16. Sie ist ein Maß für die Größe der Öffnung, die die Blende freilässt.

Mit dem Begriff Blende wiederum wird die aus vielen Lamellen bestehende Mechanik bezeichnet, mit der Sie die Blendenöffnung einstellen können. Umgangssprachlich hat es sich aber durchgesetzt, den Begriff "Blende" auch als Abkürzung für "Blendenzahl" bzw. "Blendenwert" einzusetzen. Also können Sie auch (je nach Zusammenhang) von Blende 5,6 sprechen und meinen damit die Blendenzahl 5,6.

Die Blende und die Schärfentiefe

Wie Sie vielleicht schon bemerkt haben, hat die Blendenzahl keine Einheit. Es gibt folgende Stufen, die (unter anderem) eingestellt werden können: 2 • 2,8 • 4 • 5,6 • 8 • 11• 16 • 22 • 32.

Die Zahlen sind so gewählt, dass jede größere Blendenzahl halb so viel Licht durchlässt wie die vorhergehende und jede kleinere doppelt so viel wie die folgende. Je größer nun der Durchmesser der Öffnung, desto größer ist die Blende, aber umso kleiner ist die Blendenzahl. Das gilt natürlich auch umgekehrt: Eine kleine Blendenöffnung entspricht einer kleinen Blende, aber einer großen Blendenzahl.

Bei Blende 4 zum Beispiel (eine recht große Blendenöffnung) wird nur ein sehr geringer Bereich scharf abgebildet, das Motiv wird vor einem verschwommenen Hintergrund freigestellt, da es bei dieser Blendenzahl nur eine sehr geringe Schärfentiefe gibt. Bei Blende 16 (eine kleine Blendenöffnung) ist dagegen ein großer Bereich scharf abgebildet, da die Blende 16 einen großen Schärfentiefenbereich besitzt.

Die Blende heute

Objektive jüngerer Bauart bieten dem Fotografen keine Möglichkeit mehr, die Blenden manuell am Objektiv einzustellen. Hier kann nur noch an der Kamera die gewünschte Blende eingestellt werden. Dies hat den Nachteil, dass Sie nicht direkt am Objektiv ausprobieren können, wie so eine Blende eigentlich funktioniert. Der Vorteil für den Fotografen liegt darin, dass - anders als beim mechanischen Blendenring der nur ganze Blendenschritte erlaubt - die feinere elektronische Steuerung in der Kamera das Einstellen von Drittel oder halben Blendenstufen erlaubt. Für den Fotografen bedeutet das, dass eine viel genauere Belichtungssteuerung möglich ist. Zusätzlich wird auch durch das Weglassen des Blendenringes Gewicht gespart.

Hinweis

  • kleine Blendenzahl (zum Beispiel Blende 4) = großes Loch/große Blendenöffnung = geringe Schärfentiefe
  • große Blendenzahl (zum Beispiel Blende 16) = kleines Loch/kleine Blendenöffnung = große Schärfentiefe

Oder anders formuliert: Wenn die Blendenöffnung groß ist, wird nur ein sehr geringer Bereich vor und hinter der scharfgestellten Ebene scharf abgebildet. Je kleiner die Blendenöffnung wird, desto größer wird auch der scharfgestellte Bereich - also die Schärfentiefe –, und der Betrachter sieht viele Details im Bild scharf.