Blende und Belichtungszeit

Blende und Belichtungszeit

Das Zusammenspiel von Blende und Belichtungszeit zu verstehen, ist ein bedeutender Schritt hin zum Verständnis der vielfältigen Möglichkeiten, die Ihnen die Fotografie bietet.

Die Blende und die Belichtungszeit bilden eine Einheit. Sobald Sie dies verinnerlicht haben, sind Sie bereits einen großen Schritt weiter. Denn die Kombination der zwei Parameter ermöglicht Ihnen, Bilder so zu gestalten, wie Sie es wollen und nicht wie es die Kameratechnik (zum Beispiel in der Automatik) vorgibt.

Gleichbleibende Helligkeit

Nehmen Sie einmal an, dass Sie Blende 8 eingestellt haben und der interne Belichtungsmesser der Kamera gibt Ihnen als Belichtungszeit 1/500 s an. Aus diesen Werten lässt sich ganz einfach für jede beliebige Blende die richtige Belichtungszeit errechnen, ohne dass Sie die Kameraautomatik weiter benötigen. Warum ist das so? Ganz einfach: Sie möchten mehr Schärfentiefe in Ihrem Bild haben und wollen lieber mit Blende 11 fotografieren. Blende 11 lässt aber nur halb so viel Licht durch wie Blende 8, also muss doppelt so lang belichtet werden, wenn die gleiche Lichtmenge durchgelassen werden soll. 2 x 1/500 s ergibt 1/250 s, somit wird bei Blende 11 für 1/250 s belichtet. Oder Sie möchten lieber eine geringere Schärfentiefe als bei Blende 8 bekommen und wählen nun die Blende 5,6. Nun wird doppelt so viel Licht durch die Linse gelassen als bei Blende 8, also brauchen Sie nur die Hälfte der Belichtungszeit, nämlich 1/1000 s.

Blende 2 2,8 4 5,6 8 11 16 22 32
Belichtungszeit 1/8000 s 1/4000 s 1/2000 s 1/1000 s 1/500 s 1/250 s 1/125 s 1/60 s 1/30 s

In der Tabelle sehen Sie die Blendenzahlen und die dazugehörenden Belichtungszeiten, die jeweils ein gleich helles Bild ergeben. Es spielt für die Bildhelligkeit also keine Rolle, ob Sie bei einer Belichtungszeit von 1/400 s bei Blende 8 oder bei 1/200 s und Blende 11 Ihr Bild machen. In beiden Fällen wird das Motiv richtig belichtet, doch die Schärfentiefe ändert sich dramatisch. Außerdem ist die Belichtungszeit je nach Motiv ein wichtiger Faktor, denn wenn die Belichtungszeit zu lang wird, laufen Sie Gefahr, Ihr Bild zu verwackeln.

Lichtstärke

Wegen des Zusammenhangs zwischen Blende und Belichtungszeit lässt sich ableiten, warum professionelle Fotografen lichtstarke Objektive kaufen, Objektive also, die große Blendenöffnungen (Blende 2,8 oder auch 1,4) erlauben. So kann beispielsweise mit einem Objektiv, das die Blende 5,6 als größte Blendenöffnung bietet, nur mit maximal 1/500 s fotografiert werden. Mit einem Objektiv der Lichtstärke 2,8 können aber unter denselben Lichtbedingungen noch Aufnahmen mit 1/2000 s Belichtungszeit gemacht werden.

Hinweis

Für die Naturfotografie sollte eine digitale Spiegelreflexkamera mindestens die folgenden Einstellungsmöglichkeiten zur Steuerung der Belichtung haben:

Programmautomatik P
eine vollautomatische Blenden- und Belichtungszeitsteuerung. Die Motivprogramme mancher Kameras (für Makros, Landschaften, Porträts etc.) arbeiten ebenfalls vollautomatisch. Als Fotograf haben Sie hier praktisch keinen Einfluss auf die Wahl der Blende und die Belichtungszeit. Ausnahme ist hier nur die Programmverschiebung.
Blendenvorwahl A/Av
Diese Art der Belichtungssteuerung wird in der Naturfotografie sehr häufig eingesetzt. Hier wählen Sie die Blende vor, und die Kameraautomatik berechnet die passende Belichtungszeit dazu.
Zeitvorwahl S/T/Tv
Hier wählen Sie die Belichtungszeit aus und die Kamera stellt dazu passend einen Blendenwert ein. Sinnvoll ist diese Einstellung bei der Actionfotografie, bei der Sie sehr kurze Belichtungszeiten brauchen und bei der dynamischen Unschärfefotografie, wo Sie eine relativ lange Belichtungszeit einstellen müssen.
Manueller Modus M
Hier stellen Sie sowohl Blende als auch Belichtungszeit selbst ein. Diese Einstellung ist vor allem in der Makrofotografie sehr hilfreich.