Fotografische Genres

Fotografische Genres

Eine Vielzahl von Genres orientiert sich daran, was abgebildet wird, das heißt was das Motiv des Bildes ist (zum Beispiel Landschaftsfotografie, Porträtfotografie, Sachfotografie, Industriefotografie). Einige Gebiete hingegen orientieren sich eher am wie, zum Beispiel wie ein Motiv aufgenommen wird beziehungsweise unter welchen Bedingungen und Umständen die Aufnahme stattfindet (zum Beispiel Makrofotografie, Reportagefotografie, Abstrakte Fotografie). Es scheint leider keine genaue Bezeichnung für diese Unterscheidung zu geben, daher sollen an dieser Stelle die Begriffe motivbezogene Genres und übergeordnete Genres verwendet werden. Dabei muss bedacht werden, dass manche Genres Merkmale beider Gruppen aufweisen (zum Beispiel Nachtfotografie und Unterwasserfotografie, wo man "Nacht" und "Unterwasser" sowohl als Motiv als auch als Umstand/Aufnahmeweise/Fototechnik sehen kann). Die übergeordneten Genres haben allesamt einen engen Bezug zu einigen (manchmal auch fast allen) motivbezogenen Genres.

Landschafts-Fotografie
ist ein weitreichendes Genre, das die Umwelt des Menschen zum Hauptgegenstand hat. Sie kann noch einmal in die einzelnen Jahreszeiten (Frühling, Sommer, Herbst, Winter) und einzelnen Landschaftstypen (Wald, Feld, Sand, Meer, Gebirge etc.) unterteilt werden, wobei diese Gebiete jedoch meist nicht als Genres betrachtet werden.
Natur-Fotografie
kann als Untergenre der Landschaftsfotografie gesehen werden. Während letztere eher große Ausschnitte zeigt (sogenannte Übersichtsfotos), wird in der Naturfotografie eher ein kleiner Ausschnitt ausgewählt, zum Beispiel ein Baum, Blumen, Tiere etc. Bei der Abbildung von Tieren spricht man dann von der Tierfotografie (auch Wildlife-Fotografie).
Unterwasser-Fotografie.
Aufnahmen werden unter Wasser gemacht.
Astrofo-Fografie
ist ein recht spezielles, unter manchen Hobby-Fotografen aber sehr beliebtes Genre. Zudem hat es für wissenschaftliche Zwecke eine hohe Bedeutung. Unter dem Begriff versteht man nicht nur, wie der Name es andeutet, die Fotografie von Sternen, sondern allgemein die von Objekten im Weltraum außerhalb der Erde. Das Genre lässt sich nur schwer in die Klassifikation einordnen. Einerseits scheint es zumindest im weitesten Sinne einen Bezug zur Landschafts- oder Naturfotografie zu besitzen, sofern jedenfalls die Auflösung der Bilder reicht, um Landschaften auf dem Mond, Planeten oder der Sonne darzustellen. Betrachtet man hingegen einige Himmelskörper als Gegenstände oder Sachen, so lässt sich ein gewisser (wenn auch ebenso vager) Bezug zur Sachfotografie feststellen.

Am größten scheint noch der Bezug zur Nachtfotografie zu sein, da die Astrofotografie für gewöhnlich in der Nacht praktiziert wird, sofern nicht gerade die Sonne aufgenommen wird. Mond und Planeten, auch Sterne haben von der Erde aus gesehen eine relativ geringe Leuchtstärke, daher treten einige technische Probleme in der Nachtfotografie und der Astrofotografie ähnlich auf. Bei der Astrofotografie und bei den dabei oft notwendigen längeren Belichtungszeiten ist allerdings in der Regel spezielles technisches Gerät notwendig, um die Bewegungen der Erde und der beobachteten Himmelskörper automatisch nachzuführen. Zudem haben die Motive von der Erde aus gesehen immer einen sehr kleinen Blickwinkel, man benötigt also für formatfüllende Aufnahmen sehr lange Brennweiten. Zum dem Zwecke wird die Kamera oft auch über Adapter mit einem Teleskop verbunden. Aufgrund des großen Abstandes der Motive kann allerdings immer mit offener Blende gearbeitet werden.

Feuerwerks-Fotografie
ist ein im deutschsprachigen Raum wenig bekannter Begriff; die meisten Kameras bieten jedoch einen Feuerwerk-Modus, so dass man es auch als ein Genre betrachten kann. Diese wird oft mit Stativ und langen Belichtungszeiten betrieben, um die Spuren der Leuchtkörper aufnehmen zu können.
Porträt-Fotografie
hat im klassischen Sinne Menschen zum Hauptgegenstand, im weiteren Sinne umfasst sie jedoch auch die Abbildung von Tieren (Tier-Porträt), so dass in diesem Fall die Tierfotografie sowohl Untergenre der Porträtfotografie als auch der Naturfotografie ist. Die Porträtfotografie zielt meist darauf ab, die Wesenszüge einer Person in einem Foto herauszuarbeiten beziehungsweise darzustellen.

Bekannte Untergenres sind Kinderfotografie, Gruppenfotografie, Hochzeitsfotografie und Aktfotografie. Im letzteren liegt der Schwerpunkt auf der Darstellung des menschlichen Körpers, nicht auf der Herausarbeitung der Charakteristik. Die Erotik-Fotografie geht über die Aktfotografie hinaus, indem auch ein sexueller Bezug zu erkennen ist (dieser ist der Aktfotografie fremd). Im rechtlichen Sinne gibt es auch noch einen Unterschied zwischen Erotik-Fotografie und Pornografie, wobei letztere gezielt sexuelle Interaktivität darstellt. Von daher kann sowohl die Motivwahl als auch die Veröffentlichungen von Pornografie rechtlichen Einschränkungen unterliegen, während dies bei Erotik nicht der Fall ist - im jedem Einzelfall ist also eine Beurteilung der korrekten Einordnung rechtlich relevant für den Fotografen und die Personen, die die Aufnahmen veröffentlichen.

Planking
ist eine neumodische fotografische Erscheinung, bei der sich eine Person mit dem Gesicht nach unten und seitlich angelegten Armen in steifer Körperhaltung fotografieren lässt. Die Theaterfotografie (Bühnenfotografie) zeigt Menschen und Kulissen auf der Bühne und hat damit ebenfalls einen gewissen Bezug zur Porträt-Fotografie. Die Modefotografie bezeichnet das Fotografieren von Kleidern und bekleideten Personen und steht damit etwas zwischen Porträt- und Sachfotografie, je nach dem ob der Schwerpunkt eher auf der Person oder den Kleidern liegt (zum Beispiel für einen Versandhauskatalog).
Event-Fotografie
ist ein eher unscharf definiertes Genre, das Fotografien bezeichnet, die auf "Events" (also bei verschiedenen Ereignissen wie Stadtfeste, Konzerten etc.) beziehungsweise zu bestimmten Anlässen (zum Beispiel Hochzeit) aufgenommen werden. Als ein untergeordnetes Genre kann dabei die Konzertfotografie gesehen werden, welche das Fotografieren speziell von Konzerten (und insbesondere den Künstlern beziehungsweise Musikern und des Publikums und der Aufbauten) zum Gegenstand hat.
Architektur-Fotografie
hat Bauwerke aller Art zum Gegenstand, darunter historische und moderne Gebäude, Skulpturen und Springbrunnen, Brücken, Staudämme, Industrieanlagen und vieles mehr. Innenaufnahmen und Architekturdetails (zum Beispiel Erker, Dachgaupen, Säulen, Tore, Torbögen, Gewölbe, Ornamente etc.) sind besonders beliebte Motive in der Architekturfotografie.
Sach-Fotografie
bezeichnet die Abbildung von Gegenständen aller Art und bezieht sich häufig auf die Angewandte Fotografie. Hierbei können beliebige Objekte abgebildet werden, zum Beispiel Artikel für einen Produkt- oder Versandhauskatalog. Im letzten Fall spricht man von der Produktfotografie, also der Abbildung jeglicher Produkte, die Ergebnisse eines Produktionsprozesses sind. Das wenig bekannte Gebiet Food-Fotografie bezeichnet dabei das Fotografieren von Lebensmitteln bis hin zu ganzen Menüs oder Imitationen derselben, meist zum Erstellen von Speisekarten, Netzwerk-Präsenzen von gastronomischen Unternehmen etc. Die Stillleben-Fotografie hat einen ausgesprochen künstlerischen Charakter und fällt weniger in das Gebiet der Angewandten Fotografie - sie bezeichnet die wohlüberlegte Auswahl und Anordnung verschiedener, unbelebter Gegenstände in einem Foto.
Industrie-Fotografie
hat Industrieerzeugnisse sowie den Industrieprozess im Mittelpunkt. Sie hat damit einen gewissen Bezug zur Architekturfotografie und zur Sachfotografie.
Straßen-Fotografie
ist ein Genre, das gewissermaßen zwischen Architektur- und Porträtfotografie steht und ein Abbild des alltäglichen, öffentlichen Lebens (vor allem in Städten) zum Ziel hat.
Nacht-Fotografie
bezeichnet bei Nacht oder in der Dämmerung entstandene Fotos. Sie hat einen Bezug zu vielen anderen Genres, vor allem Architektur-, Landschafts- und Straßenfotografie.
Reise-Fotografie
umfasst auf Reisen aufgenommene Fotos und hat einen engen Bezug zur Straßen- und Architekturfotografie, Landschafts- und Porträt-Fotografie. Sie kann auch Teil der Dokumentarischen Fotografie und Reportagefotografie sein.
Luftbild-Fotografie
(manchmal auch einfach Luftfotografie) bezeichnet Bilder, die aus der Luft aufgenommen wurden, zum Beispiel aus einem Heißluftballon oder Flugzeug, oder aber von einem Hochhaus, Aussichtsturm oder Berg. Eine Sonderform ist die Satellitenfotografie, bei der Fotos von einem Satelliten auf die Erde herab aufgenommen werden.
Panorama-Fotografie
beschäftigt sich mit der Aufnahme von Panoramen, also von Fotos mit sehr großem Bildwinkel (bis 360°-Bilder). Das sind typischerweise Stadtansichten oder Landschaften.
Makro-Fotografie
bezeichnet die volle Abbildung kleiner Gegenstände oder Lebewesen, etwa Blumen, Insekten, Spielfiguren etc. Bei Abbildungen von noch kleineren Motiven spricht man von der Mikrofotografie (Abbildung von Dingen, die mit bloßem Auge nicht mehr erkennbar sind).
Abstrakte-Fotografie
(selten auch Gegenstandslose Fotografie) beeindruckt durch Formen, Muster, Linien, Strukturen und besondere Farben. Es geht nicht mehr um den abgebildeten Gegenstand (dieser lässt sich in dem Foto oft auch kaum mehr erkennen), sondern rein um die Strukturen und Farben. In abstrakten Fotos erkennt oft jeder Betrachter etwas Verschiedenes - das macht die abstrakte Fotografie besonders interessant.
Konkrete-Fotografie
ist nicht (!) das Gegenstück zur Abstrakten Fotografie; sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie mehr Wert auf die Interpretation eines Fotos beziehungsweise auf die dahinterliegende Bedeutung legt als auf die eigentliche Abbildung desselbigen. Ein Glas Wein kann somit beispielsweise auch Weisheit, Alter oder Alkoholabhängigkeit symbolisieren - liegt der Schwerpunkt eher auf der Bedeutung und Interpretation des Bildes, weniger auf der fotografischen Darstellung des Weinglases, so spricht man von Konkreter Fotografie. Manchmal können Konkrete und Abstrakte Fotografie damit recht eng beieinander liegen (aus abstrakten Fotos lassen sich oft auch interessante Dinge interpretieren).
Subjektive-Fotografie
hat einen engen Bezug zur Abstrakten und Konkreten Fotografie. Ihr geht es, wie bei der Abstrakten Fotografie, nicht um Gegenstände, sondern rein um die Wirkung von Formen und Mustern. Wie bei der Konkreten Fotografie spielt die Interpretation des Bildes eine sehr große Rolle.
Gegenständliche-Fotografie
ist ein weitreichendes, nur wenig bekanntes Genre. In Anlehnung an "Gegenständliche Kunst" bezeichnet es das Gegenstück zur Abstrakten Fotografie. Fotos der Gegenständlichen Fotografie bilden also Gegenstände beziehungsweise Lebewesen aller Art (Menschen, Gebäude, Landschaften etc.) in mehr oder weniger realistischer Form ab. Der Betrachter soll sich an dem abgebildeten Motiv erfreuen, eine tiefere Intention des Künstlers besteht nicht.
Experimentelle-Fotografie
ist ein besonders künstlerisches Genre, bei der durch Experimente mit Belichtungszeit, Blende und Brennweite sowie durch spezielle Kamerahaltung und Bildbearbeitung künstlerisch ausgefallene Fotos entstehen. Zum Einsatz kommen hier auch besondere Linsenkonstruktionen und Kameras, um zum Beispiel Abbildungsfehler oder -eigenschaften der verwendeten Objektive gezielt zu nutzen, um besondere Effekte zu erzielen. Je nach Verfahren können diese auch in den Bereich der Abstrakten Fotografie fallen.
Dokumentar-Fotografie
strebt die möglichst exakte Darstellung des Motivs in einem Foto an, hat jedoch eine konkrete Aussagekraft, meist mit sozialkritischem Ausdruck. Eine Dokumentarfotografie kann dabei politische, gesellschaftskritische oder kulturelle Aussagekraft besitzen. Sie enthält eine Botschaft, die über den eigentlichen Text einer Dokumentation hinausgeht. Eine Untergattung ist die Straight Fotography (Reine Fotografie), bei der die Bilder so realistisch wie möglich sein sollen (keine Unschärfe, keine Nachbearbeitung), wo jedoch meist keine konkrete Aussagekraft beziehungsweise Intention vorliegt. Die Wissenschaftliche Fotografie meint Fotografie zum Zweck der Analyse und Dokumentation. Sie möchte meist sehr präzise, realistische Bilder bewirken und verfolgt sehr individuelle Ziele. Je nach wissenschaftlicher oder technischer Ausrichtung kann es rein darum gehen, Resulate zu dokumentieren (Archäologie, Biologie). Es besteht aber auch die Möglichkeit mit geeignetem Gerät anhand der Aufnahmen nachträglich Vermessungen von Objektproportionen vorzunehmen. Wissenschaftliche Fotografie fällt damit ins Gebiet der Angewandten Fotografie.
Reportage-Fotografie
(auch Fotojournalismus oder Bildberichterstattung) hat die Fotografie von verschiedenen Ereignissen im Sinne der Berichterstattung zum Gegenstand. Sie bezieht sich meist auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und arbeitet eng mit Nachrichtenagenturen und Printmedien-Agenturen zusammen.
Werbe-Fotografie
stellt Objekte für Werbezwecke dar und wird meist von Werbeagenturen in Auftrag gegeben. Dabei kann sie fast jedes fotografischen Genres bedienen, da es bei Werbefotografie vor allem auch darum geht, abstrakte Dinge wie Gesundheit, Sport, Sicherheit, Kraft etc. in einem Foto mit geeigneten Mitteln auszudrücken.
Tabletop-Fotografie
sind (Aufnahmen von Objekten, die auf einem Tisch angeordnet sind) bezeichnet ein Genre, bei der einfache Gegenstände auf einer meist weißen, geraden Oberfläche (zum Beispiel auf einem Tisch) in einfachster Weise abgebildet werden. Sie hat damit einen engen Bezug zur Sach-, Produkt- und Werbefotografie. Es können allerdings auch durch Variation der aufgenommenen Objekte Bildergeschichten erzählt werden, wodurch sich wieder Verknüpfungen zu anderen Genres und Kunstgattungen ergeben.
Stock-Fotografie
ist ein sehr weites Genre, bei der Fotos "auf Vorrat" (englisch: 'on stock') aufgenommen werden. Vor allem Fernsehsender und Zeitschriften sind an Stock-Fotos interessiert, um für die Erstellung einer bestimmten Reportage beziehungsweise eines Artikels sofort entsprechende Fotos zur Verfügung zu haben, ohne sie dann noch aufnehmen oder besorgen zu müssen. Im Internet existieren heute einige Projekte, die Millionen frei verfügbarer Bilder anbieten und somit als eine Art "Stock-Archiv" fungieren. Ein bekanntes Beispiel ist wikicommons. Bereits an dem Beispiel ist zu erkennen, dass die Bilder nicht notwendig für den Zweck der Bevorratung aufgenommen sein müssen, sie können auch unabhängig von diesem Zweck entstanden sein, wodurch sich praktisch eine Verknüpfung mit belieben anderen Genres ergeben kann. Werden wirklich Fotos rein auf Vorrat gemacht, werden diese meist komplett losgelöst von sonstigem Kontext aufgenommen, um eine Verwendung in beliebigem Zusammenhang zu erleichtern.