Komposition

Komposition

Das Motiv eines Fotos ist der kennzeichnende, die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich lenkende Teil eines Fotos. Man sagt auch, es hat die höchste Gewichtung, also die größte Aussagekraft beziehungsweise Bedeutung. Andere Bereiche des Fotos haben demnach eine niedrigere Gewichtung, sie sind eher Beiwerk, dürfen bei der Gestaltung aber dennoch keineswegs vernachlässigt werden.

Ein Foto kann auch aus mehreren Motiven aufgebaut sein, zum Beispiel drei Apfelbäume auf einer Wiese oder zwei Personen, die um die Wette laufen. In vielen Fällen gibt es dabei ein Hauptmotiv (das Motiv mit größter Bedeutung beziehungsweise Aussage) und entsprechende Nebenmotive. Manchmal meint der Begriff Nebenmotiv auch sämtliche Bildelemente, die nicht das Hauptmotiv sind.

In einigen Fällen ist sofort ersichtlich was das Motiv eines Fotos ist. Ein Apfelbaum auf einer sonst kahlen Wiese ist offensichtlich das Motiv des Fotos, der Blick des Betrachters richtet sich sofort auf den Baum. In manchen Fällen ist möglicherweise nicht ganz klar, was das Motiv ist. Vor allem bei Landschaftsaufnahmen ist dies der Fall. Die klassische Fotografie sieht vor, dass in jedem Foto ein Motiv vorhanden ist, aber das Motiv muss nicht immer ein bestimmtes, abgrenzbares Objekt sein (zum Beispiel Person, Baum, Fahrzeug, Gebäude, Bach, Laternenmast etc.). Der Schatten einer Person am Strand, über den Himmel verteilte Schäfchenwolken oder abstrakte Muster, die sich durch das gesamte Bild ziehen, können ebenfalls das Motiv sein. Inwiefern man allerdings hierbei noch von einem Motiv im eigentlichen Sinne sprechen kann, ist durchaus fragwürdig.

Grundsätzlich ist es auch denkbar, zwei Arten von Fotos zu unterscheiden:

Fotos mit einem (Haupt-) Motiv, an denen der Betrachter beim Betrachten sprichwörtlich "hängen bleibt", und die Fotos, die kein konkretes Motiv besitzen (der Betrachter betrachtet das Foto im Ganzen). Ein Foto, das kein Motiv im ersten Sinne besitzt, muss daher nicht zwangsweise schlecht sein.

Das Hauptmotiv eines Bildes sollte, sofern es existiert, automatisch die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich lenken. Es ist daher wichtig, es so zu platzieren, dass es als "Blickfang" wirkt. Bei einem Apfelbaum auf kahler Wiese ist dies ganz sicher der Fall - manchmal droht aber das Hauptmotiv von Nebenmotiven beziehungsweise anderen Objekten abgelenkt zu werden. In den nachfolgenden Abschnitten werden daher einige Richtlinien genannt, wie man das Hauptmotiv anordnen kann, damit es als zentraler Bestandteil des Fotos auch wahrgenommen wird.

Einige Tipps seien hier bereits vorweggenommen (werden später aber noch ausführlicher erläutert):

  • Störende Elemente können durch eine andere Perspektive oder durch Zoom ausgeblendet werden. Hier ist es oft sinnvoll, den Standort zu wechseln und zu prüfen, ob das Motiv nicht von einer anderen Position viel besser wirkt.
  • Ein unruhiger Hintergrund wirkt sehr störend. Eine Möglichkeit wäre es, ihn in Unschärfe versinken zu lassen (kleine Blende, eventuell größere Brennweite).
  • Ist die Störung nur von kurzer Dauer (zum Beispiel ein Bagger, der im Hintergrund durchs Bild fährt), lohnt es sich gegebenenfalls zu warten.
  • Im Zweifelsfall kann man auch auf die digitale Bildbearbeitung hoffen. Lässt sich ein störendes Nebenmotiv nicht verhindern, kann man das Foto erst einmal aufnehmen und versuchen, dieses dann später zu retuschieren.

Wenn mehrere Motive im Bild auftreten, sollte man darauf Wert legen, dass diese einigermaßen sinnvoll angeordnet sind und in dem Bild eine gewisse Ordnung herrscht. Sich überlagernde Motive, die kaum mehr auffallen oder voneinander abgrenzt werden können und das Auge des Betrachters verwirren, sollten stets vermieden werden. Die Redewendung "den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen" sollte daher niemals auf ein Foto zutreffen, es sei denn es ist das bewusste Bestreben des Fotografen, ein ausgesprochen chaotisches Bild zu schaffen.